Was ist Preflop im Poker? Von Grund auf erklärt
Poker besteht nicht nur aus Karten und Glück. Es ist ein Spiel der Entscheidungen. Und die allererste Entscheidung in jeder Hand fällt, bevor überhaupt eine Gemeinschaftskarte auf den Tisch kommt. Diese Phase nennt man Preflop – und sie entscheidet maßgeblich darüber, ob du die Hand gewinnst oder Geld verlierst. Wenn du gerade erst mit Poker anfängst oder endlich verstehen willst, was dieser Begriff bedeutet, lies weiter.
Fangen wir ganz von vorne an: Wie eine Hand abläuft
Wenn du neu im Poker bist, beginnen wir bei null.
Jede Hand in Texas Hold’em ist wie eine kleine Geschichte mit mehreren Kapiteln. Diese Kapitel nennt man Streets oder Setzrunden:
- Preflop — der Anfang. Die Karten wurden gerade ausgeteilt, und es gibt noch keine Gemeinschaftskarten.
- Flop — drei Gemeinschaftskarten werden aufgedeckt.
- Turn — die vierte Gemeinschaftskarte.
- River — die fünfte und letzte Gemeinschaftskarte.
In jeder Phase setzen die Spieler und treffen Entscheidungen. Der Gewinner bekommt den gesamten Pot.
Heute konzentrieren wir uns auf den Anfang – den Preflop. Hier beginnt alles.
Was ist Preflop – die einfachste Erklärung
Preflop ist der Moment im Poker, in dem jeder Spieler seine Karten erhalten hat, aber noch keine Gemeinschaftskarten ausgeteilt wurden.
Jeder Spieler schaut sich seine zwei Karten an und denkt: „Soll ich diese Hand spielen?“

Ein einfaches Beispiel: Stell dir vor, du kaufst ein Lottoticket. Aber statt einer zufälligen Auswahl kennst du bereits zwei von sechs Zahlen. Kaufst du das Ticket oder nicht? Das ist dein „Preflop“.
Je stärker deine zwei Karten sind und je besser deine Position am Tisch ist, desto profitabler ist es zu spielen. Je schwächer sie sind, desto sinnvoller ist es, sofort zu passen.
Pflichteinsätze: Warum es Blinds gibt
Bevor die Karten ausgeteilt werden, müssen zwei Spieler Geld in den Pot legen. Diese erzwungenen Einsätze nennt man Blinds.
- Small Blind (SB) — der erste Spieler links vom Dealer zahlt einen kleinen Betrag.
- Big Blind (BB) — der zweite Spieler zahlt den doppelten Betrag.
Warum ist das notwendig? Ohne Blinds würde niemand ohne starke Hände Chips riskieren – alle würden einfach auf Asse warten. Blinds sorgen für einen Startpot und machen das Spiel dynamisch: Es gibt sofort etwas, worum gespielt wird.
Wichtig: Blinds sind verpflichtend. Es sind keine „Einsätze mit einer starken Hand“ – sie werden unabhängig von deinen Karten gezahlt. Deshalb befinden sich Spieler in den Blinds in einer besonderen Situation: Sie haben bereits Geld investiert, aber ihre Karten können alles sein.
Was Preflop Schritt für Schritt passiert
Schauen wir uns den Ablauf Schritt für Schritt an:
Schritt 1. Der Dealer gibt jedem Spieler zwei verdeckte Karten. Niemand sonst kann deine Karten sehen.
Schritt 2. Die Setzrunde beginnt. Der erste Spieler ist direkt nach dem Big Blind an der Reihe.
Schritt 3. Jeder Spieler entscheidet der Reihe nach im Uhrzeigersinn, ob er passt, mitgeht oder erhöht.
Schritt 4. Der Big Blind ist als Letzter dran. Wenn niemand erhöht hat, kann er checken (kostenlos weiterspielen) oder erhöhen.
Schritt 5. Sobald alle Entscheidungen getroffen und Einsätze angeglichen wurden, endet die Preflop-Phase. Der Dealer deckt drei Gemeinschaftskarten auf (den Flop), und das Spiel geht weiter.

Welche Entscheidungen jeder Spieler trifft
Preflop hat jeder Spieler mehrere Optionen:
Fold — du gibst deine Karten auf und steigst aus der Hand aus. Du investierst nichts weiter. Das ist völlig normal und korrekt – Profis folden die meisten Hände preflop.
Call — du gehst den aktuellen Einsatz mit, um in der Hand zu bleiben.
Raise — du erhöhst den Einsatz. Das zeigt Stärke oder setzt deine Gegner unter Druck.
All-in — du setzt alle deine Chips. Wird meist mit sehr starken Händen oder einem kleinen Stack gemacht.
Beispiel:
- Jemand eröffnet auf 3bb (3 Big Blinds) — das nennt man einen Open Raise
- Du erhöhst auf 9bb — das nennt man einen 3-Bet
- Jemand erhöht erneut auf 24bb — das ist ein 4-Bet
Warum du nicht jede Hand spielen solltest
Eine der größten Versuchungen für Anfänger ist es, mit beliebigen zwei Karten „den Flop zu sehen“. Was, wenn man Glück hat?
Das Problem ist: „Glück haben“ ist keine Strategie. Im Poker gewinnen diejenigen, die langfristig die richtigen Entscheidungen treffen – nicht diejenigen, die einmal Glück hatten.
Wenn du ständig mit schwachen Händen in den Pot gehst:
- Wirst du oft in Situationen landen, in denen deine Hand klar schwächer ist als die deines Gegners
- Wirst du dich auf Flop und Turn verloren fühlen und nicht wissen, was du tun sollst
- Wird dein Geld langsam, aber sicher verschwinden
Starke Starthände führen zu häufigeren Gewinnen, einfacheren Entscheidungen auf späteren Streets und mehr Sicherheit – du verlässt dich nicht auf Glück, sondern spielst korrekt.

Was Position bedeutet und warum sie wichtig ist
Position ist dein Platz am Pokertisch. Klingt einfach, ist aber einer der wichtigsten Faktoren im Spiel.
Die wichtigste Regel: Der Spieler, der zuletzt handelt, hat einen Informationsvorteil.
Warum? Weil du bereits gesehen hast, was alle anderen gemacht haben, bevor du deine Entscheidung triffst.
Beispiel:
- Du sitzt auf dem Button (BTN) — der besten Position
- Ein Spieler vor dir erhöht, alle anderen folden
- Du siehst das und triffst deine Entscheidung mit vollständigen Informationen über die bisherigen Aktionen
Stell dir jetzt das Gegenteil vor:
- Du bist in früher Position (UTG)
- Du musst als Erster handeln
- Du weißt noch nicht, was 5–8 Spieler nach dir tun werden
Deshalb spielst du aus früher Position weniger Hände und aus später Position mehr. Das ist keine Vorliebe – das ist Mathematik.
Die wichtigsten Positionen an einem 6-Max-Tisch sehen so aus:
| Position | Reihenfolge | Warum sie wichtig ist |
|---|---|---|
| UTG (LJ) | Erster | Schlechteste Position — alle anderen sind noch an der Reihe |
| HJ (MP) | 2. | Noch früh, Vorsicht erforderlich |
| CO (Cutoff) | 3. | Gute Position |
| BTN (Button) | 4. | Beste: handelt auf Flop, Turn und River zuletzt |
| SB (Small Blind) | 5. | Handelt auf allen Streets außer Preflop zuerst |
| BB (Big Blind) | Letzter | Schließt Preflop ab, ist danach aber außer Position |
Wie Hand-Ranges funktionieren – einfach erklärt
Erfahrene Spieler denken nicht: „Ich habe J9, soll ich spielen oder nicht?“ Sie denken: „Aus dieser Position spiele ich diese Range. Gehört J9 dazu? Ja — ich spiele es; nein — ich folde.“
Diese „Sammlung von Händen“ nennt man eine Range. Und diese Denkweise nennt man Denken in Ranges.
Warum ist das besser als einzelne Entscheidungen zu treffen?
Erstens musst du nicht jedes Mal alles neu durchdenken. Du definierst eine Range einmal und wendest sie automatisch an. Zweitens vermeidest du emotionale Entscheidungen: „Aber ich habe doch ein Ass!“ — wenn eine Hand nicht in deiner Range für diese Position ist, wird gefoldet, ohne Ausnahme. Drittens wirst du schwerer lesbar: Eine Range enthält sowohl starke als auch schwächere Hände, was es Gegnern erschwert, dich genau einzuschätzen.
Eine Range wird typischerweise als 13×13-Gitter dargestellt. Die Reihen und Spalten stehen für Kartenwerte von Ass bis Zwei. Jede Zelle entspricht einer Zwei-Karten-Kombination. Farbige Felder sind Hände, die du spielen solltest; ungefärbte sind Folds. Dieses Gitter nennt man eine 13×13-Matrix oder einfach eine Range.
Regel für Anfänger: Finde eine solide Range für dein Format und deine Position – und halte dich daran. Allein das bringt dich bereits vor die meisten Anfänger.

Warum solides Preflop-Spiel die halbe Miete ist
Viele Anfänger konzentrieren sich vor allem auf das Spiel nach dem Flop: „Wie setze ich den Flop richtig?“, „Was mache ich am River mit Second Pair?“ Doch Profis wissen: Für die meisten Spieler bringt das Beheben von Preflop-Fehlern den größten Fortschritt.
Hier ist der Grund.
Häufigkeit der Situationen. Preflop passiert in jeder Hand. Flop, Turn und River kommen nur, wenn du in den Pot einsteigst. Fehler auf der ersten Street zu beheben verbessert automatisch alles, was danach kommt.
Einfachheit. Postflop-Spiel erfordert Boardanalyse, Einschätzung gegnerischer Ranges und Berechnung von Pot Odds. Preflop basiert auf klaren Regeln, die du im Voraus lernen kannst.
Fehler wirken nach. Wenn du mit einer schwachen Hand in schlechter Position in den Pot gehst, wirst du auf jeder Street schwierige Entscheidungen treffen müssen – meist ohne gute Lösung. Du „löschst Brände“, die du selbst preflop verursacht hast.
Konstanz. Solides Preflop-Spiel macht dein gesamtes Spiel stabiler. Und Konstanz ist der Feind von Fehlern.
FreeBetRange: fertige Tools zum Lernen von Ranges
Wenn du verstanden hast, wie wichtig Ranges sind, stellt sich die nächste Frage: Wo bekommt man gute Ranges?
FreeBetRange ist ein spezialisiertes Tool, das fertige Ranges für verschiedene Pokerformate bietet.
Was du dort findest:
- Ranges für 6-Max- und 9-Max-Cashgames
- Ranges für Turniere und Spin&Go
- Aufgeschlüsselt nach Position: UTG, HJ, CO, BTN, SB, BB
- Einen Trainingsmodus, in dem du dein Wissen testen kannst
So legst du los:
- Gehe in den Library-Bereich (Range-Bibliothek)
- Wähle dein Spielformat
- Öffne die Opening-Range für die gewünschte Position
- Lerne, welche Hände du eröffnen und welche du folden solltest
- Übe im Trainer-Modus — das Programm testet dich mit konkreten Händen
Das ist deutlich effektiver, als nur Theorie zu lesen. Wissen wird erst durch Praxis zur Fähigkeit.

Preflop ist der Anfang von allem. Wenn du hier die richtigen Entscheidungen triffst, wird Poker klarer und profitabler.
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