VPIP und PFR: Was diese Statistiken über jeden Spieler am Tisch aussagen
Wenn du Online-Poker mit einem HUD spielst, siehst du ständig Zahlen über den Avataren deiner Gegner. Unter all diesen Stats stechen zwei besonders hervor — VPIP und PFR. Sie liefern dir die erste und wichtigste Antwort auf die Frage: Wer sitzt dir eigentlich gegenüber?
Ein Spieler steigt jede zweite Hand ein und raist nie. Ein anderer spielt selten, aber immer aggressiv. Ein dritter liegt irgendwo dazwischen — und genau das ist gut. Zwei Zahlen — und du verstehst bereits den Stil deines Gegners, seine Range und wie du gegen ihn spielen solltest. In diesem Artikel schauen wir uns VPIP und PFR einzeln an, erklären ihre Beziehung zueinander und zeigen, wie du diese Stats in eine konkrete Strategie am Tisch umsetzt.
Warum diese Stats wichtig sind
Wenn du online mit einem HUD spielst (Software, die Statistiken direkt am Tisch anzeigt), siehst du über jedem Spieler einen kleinen Block mit Zahlen. Die allerersten und wichtigsten davon sind VPIP und PFR.
Sie beantworten zwei zentrale Fragen:
- Wie weit spielt dein Gegner preflop?
- Wie aggressiv spielt er?
Zwei Zahlen — und du kannst schon grob einschätzen, mit wem du es zu tun hast: ein professioneller Regular, ein passiver Fisch oder ein ultra-tighter Nit.
VPIP: wie weit dein Gegner spielt
VPIP steht für Voluntarily Put Money In Pot und zeigt den Prozentsatz der Hände, in denen ein Spieler freiwillig Geld aus seinem Stack in den Pot investiert.
Einfache Formel:
(Anzahl der Hände, in denen der Spieler preflop geraist oder gecallt hat) / (Anzahl der Hände, in denen der Spieler preflop irgendeine Aktion gemacht hat) * 100
Dazu zählen:
- Jeder Call, einschließlich Limps,
- Jeder Raise.
Was NICHT zählt: der Big Blind, wenn niemand erhöht hat — in diesem Fall checkt der Spieler einfach, ohne eine aktive Entscheidung zu treffen.
Was VPIP-Werte bedeuten
| VPIP | Interpretation |
|---|---|
| bis 15% | Sehr tight — spielt nur starke Hände |
| 15–22% | Tight — typischer Nit oder konservativer Regular im 9-max |
| 22–30% | Standard für einen winning Regular im 6-max Online-Poker |
| 30–40% | Loose — spielt viele Hände, auch schwache |
| 40%+ | Sehr loose — Fisch oder aggressiver Maniac |
Ein wichtiger Punkt: VPIP ist ein Durchschnittswert über alle Positionen. Ein guter Regular mit 24% VPIP spielt aus UTG (tight) ganz anders als vom BTN (weit). Deshalb schauen erfahrene Spieler auch auf positionsabhängige VPIP-Werte.

PFR: wie aggressiv dein Gegner ist
PFR — Preflop Raise — ist der Prozentsatz der Hände, in denen ein Spieler vor dem Flop erhöht.
Dazu zählt jeder Raise preflop.
Formel:
(Anzahl der Hände, in denen der Spieler preflop geraist hat) / (Anzahl der Hände, in denen der Spieler preflop irgendeine Aktion gemacht hat) * 100
Wichtige Regel: PFR ist immer kleiner oder gleich VPIP. Du kannst nicht öfter raisen, als du überhaupt in den Pot einsteigst.
VPIP vs PFR: was die Differenz verrät
Die Differenz zwischen den beiden Werten zeigt, wie oft ein Spieler passive Aktionen wählt: Limps und Calls ohne Raise.
Beispiel:
- VPIP 28 / PFR 22 → Differenz 6 → moderat viele Calls, aggressiver Stil
- VPIP 42 / PFR 8 → Differenz 34 → viele Limps und Calls, passiver Stil
Eine kleine Differenz (3–6) bedeutet, dass der Spieler meist mit einem Raise in den Pot einsteigt — seine Range ist aggressiv.
Eine große Differenz (15+) bedeutet, dass der Spieler gerne limp/callt — seine Range ist weit und passiv.
Standardwerte für VPIP/PFR je Format
6-max online (häufigstes Format)
Typische Stats für einen winning Regular:
| Stat | Typischer Bereich |
|---|---|
| VPIP | 22–28% |
| PFR | 18–24% |
| Differenz (VPIP − PFR) | 3–6 |
9-max / Full Ring online
| Stat | Typischer Bereich |
|---|---|
| VPIP | 15–20% |
| PFR | 12–17% |
| Differenz (VPIP − PFR) | 3–5 |
Warum sind die Werte im 9-max niedriger?
Mit 9 Spielern am Tisch ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass jemand eine starke Hand hält. Deshalb werden aus frühen Positionen (UTG, UTG+1) nur sehr starke Hände gespielt, was den gesamten VPIP nach unten zieht.
Live-Poker (Casino)
Im Live-Poker verschieben sich die Werte um etwa +5–8% VPIP, weil:
- Das Spiel langsamer ist und Hände „teurer“ in Bezug auf Zeit sind
- Das Spielniveau schwächer ist, sodass du mit weiteren Ranges gewinnen kannst
- Es kein HUD gibt — Spieler spielen weniger optimal
Vier Spielertypen anhand von VPIP/PFR
1. TAG — tight-aggressiv (typischer Regular)
VPIP 20–28 / PFR 17–24
Steigt mit einer soliden Range ein, fast immer mit einem Raise. Der Standard-Winning-Style online.
Wie dagegen spielen: vorsichtig spielen, Raises respektieren, mit zusätzlichen Stats nach Exploits suchen.
2. LAG — loose-aggressiv
VPIP 28–40 / PFR 24–35
Weit und aggressiv. Kann ein starker LAG (schwieriger Gegner) sein oder einfach ein unausgeglichener Spieler mit Leaks.
Wie dagegen spielen: nicht zu oft auf Bluffs folden, häufiger 4-betten, starke Hände slowplayen.
3. Nit
VPIP 8–15 / PFR 7–13
Spielt fast nur sehr starke Hände. Leicht zu lesen.
Wie dagegen spielen: gegen Raises leicht folden, Blinds aggressiv stehlen.
4. Fisch / passiver Caller
VPIP 40–70+ / PFR 4–10
Loose und passiv. Steigt mit fast allem ein, raist selten. Der ideale Gegner für Value.
Wie dagegen spielen: dünn for Value betten, Bluffs reduzieren, Limper isolieren.

Wie man VPIP/PFR am Tisch nutzt
Schritt 1: Spielertyp identifizieren
Siehst du VPIP 52 / PFR 9? Das ist ein passiver Caller. Vergiss Bluffs, bette nur for Value.
Siehst du VPIP 14 / PFR 12? Das ist ein Nit. Sein Raise bedeutet Stärke. Folde alles außer Premium-Händen.
Schritt 2: Deine Range anpassen
Gegen einen loose-passiven Spieler: erweitere deine Value-Range, reduziere Bluffs.
Gegen einen tighten Spieler: stehle häufiger die Blinds, respektiere Raises.
Schritt 3: Position berücksichtigen
Interpretiere VPIP/PFR immer im Kontext. VPIP 45 vom BTN ist normal. VPIP 45 aus UTG deutet auf einen loosen Spieler mit fragwürdiger Range hin.
Schritt 4: Mit echten Ranges aus MDA vergleichen
Den Spielertyp zu kennen, ist der erste Schritt. Der nächste ist zu verstehen, was genau er in bestimmten Spots wirklich spielt. Genau dafür gibt es den MDA-Bereich in FreeBetRange.
MDA in FreeBetRange: echte Ranges basierend auf VPIP/PFR
MDA (Mass Data Analysis) ist ein Bereich von FreeBetRange, der reale Preflop-Ranges enthält, basierend auf der Analyse von mehr als 300 Millionen echten Händen aus Online-Cashgames. Das ist keine Theorie und kein Solver-Output — sondern das, was verschiedene Spielertypen tatsächlich am Tisch tun.
Das wichtigste Feature dieses Bereichs: Spieler werden gezielt nach VPIP und PFR klassifiziert. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen den Stats in deinem HUD und den Ranges im Tool.
Wie MDA Spieler anhand von VPIP/PFR klassifiziert
FreeBetRange verwendet folgende Schwellenwerte zur Einteilung von Archetypen:
| Archetyp | Tischformat | Kriterien |
|---|---|---|
| Regular | 3–6 max (shorthanded) | VPIP < 35, PFR < 30, Differenz 0–15 |
| Regular | 7+ max (Full Ring) | VPIP < 30, PFR < 25, Differenz 0–12 |
| Fisch (moderat) | alle | VPIP 35–49 |
| Fisch (loose) | alle | VPIP 50+ |
Das bedeutet: Wenn du in deinem HUD VPIP 42 siehst, ist das laut realer Datenbank kein Regular mehr — sondern ein Fisch der ersten Stufe. VPIP 55 ist ein Fisch der zweiten Stufe. Und für jeden dieser Archetypen liefert MDA einen separaten Entscheidungsbaum für alle Positionen und Situationen.

MDA-Filter: Feinabstimmung für dein Spiel
Neben dem Spielertyp kannst du im MDA den Kontext weiter verfeinern:
- Räume: klassische Anbieter (PokerStars, GG, WPN, 888) oder Poker-Apps (PokerBros, PPPoker usw.)
- Limits: NL25–50, NL100–200, NL500+
- Tischgröße: Heads-up, 3–6 max, 7+ max
- Antes: mit oder ohne Antes
Das ist wichtig: Ein Fisch auf NL25 in einer Poker-App kann ganz anders spielen als ein Fisch auf NL200 bei PokerStars. MDA berücksichtigt diese Unterschiede.
Wie du MDA mit VPIP/PFR anwendest
Ein praktischer Ansatz:
1. Bestimme den Archetyp anhand von VPIP aus deinem HUD Ein Gegner mit VPIP 47 fällt in die Kategorie „Fisch 35–49“. Ein Gegner mit VPIP 22 und PFR 18 ist ein Regular im 6-max.
2. Öffne MDA mit den passenden Filtern Wähle dein Limit, die Tischgröße und den Archetyp des Gegners. Der Entscheidungsbaum passt sich automatisch an.
3. Analysiere die echte Range im konkreten Spot Zum Beispiel: Wie reagiert ein Fisch mit VPIP 47 auf ein CO-Open? Was callt er genau und was foldet er? Das ist keine Vermutung mehr — sondern echte Daten.
4. Entwickle eine Strategie gegen die tatsächliche Range Jede Range aus MDA kann mit einem Klick exportiert und in einen Solver geladen werden, um die optimale Gegenstrategie zu berechnen.
Warum MDA genauer ist als GTO-Annahmen über Fische
GTO-Ranges beschreiben, wie ein idealer Spieler spielen sollte. Aber Fische spielen nicht so. Der Unterschied zwischen der echten Range eines Fisches und einer GTO-Range im gleichen Spot kann enorm sein.
Wenn du eine Gegenstrategie gegen eine GTO-Range statt gegen die tatsächliche Range eines Fisches entwickelst, analysierst du einen Gegner, der gar nicht existiert. MDA löst dieses Problem: Du arbeitest mit dem, was wirklich am Tisch passiert.
Die FreeBetRange-Datenbank wird alle sechs Monate aktualisiert, sodass die Ranges aktuelle Pool-Tendenzen widerspiegeln und nicht auf veralteten Daten basieren.
Fazit
VPIP und PFR sind zwei Zahlen, die das Preflop-Verhalten eines Spielers in ein klares Profil verdichten. VPIP zeigt, wie weit er in Pots einsteigt. PFR zeigt, wie aggressiv er ist. Die Differenz zwischen beiden verrät, ob er lieber raist oder nur callt und limpt.
Mit nur diesen beiden Stats kannst du bereits erkennen, gegen wen du spielst: einen tight-aggressiven Regular, einen weiten LAG, einen passiven Nit oder einen Fisch, der fast alles spielt. Und das bedeutet, dass du schon vor dem Flop eine grundlegende Strategie gegen ihn hast.
Der nächste Schritt ist der Übergang von Zahlen zu konkreten Ranges. Genau dafür gibt es den MDA-Bereich in FreeBetRange: Er nutzt VPIP direkt als Klassifikationskriterium und liefert echte Preflop-Ranges für jeden Archetyp — basierend auf über 300 Millionen Händen. Keine Theorie — sondern das, was dein Gegner in jedem Spot wirklich spielt.
Meistern Sie die GTO-Preflop-Strategie, erstellen Sie eigene Ranges und trainieren Sie smarter — alles in einem Tool.
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