Vergleich realer Spieler-Ranges mit GTO-Daten
In den frühen Tagen des Pokers verließen sich viele Spieler auf ihre Intuition. Dann erschienen die ersten Pokerrechner sowie Versuche, das Spiel aus einer mathematischen Perspektive zu betrachten – daraus entstand ein völlig neuer Spielstil. Später, mit der Entwicklung von Computern und dem Internet, wurde John Nashs mathematische Theorie auf Poker angewendet, was zur Entstehung des GTO (Game Theory Optimal)-Ansatzes führte – einer theoretisch optimalen Strategie. Der nächste Wendepunkt kam mit der Weiterentwicklung von Poker-Software und groß angelegter Datenanalyse und brachte einen neuen Ansatz hervor: MDA (Mass Data Analysis). Dabei werden Spielerstatistiken aus riesigen Handdatenbanken untersucht, um typische Schwächen zu erkennen und gezielt auszunutzen.

Mit der Entwicklung des Pokers haben sich auch die Starting-Hand-Ranges der Spieler verändert. In den Anfangszeiten von Hold’em konnten Profis aus früher Position mit fast 50 % aller Starthände eröffnen. Heute sieht das ganz anders aus – in der Regel sind es nicht mehr als 19 %.
Gleichzeitig ist der GTO-Ansatz aktuell die mathematisch fundierteste Herangehensweise, wenn es speziell um die Preflop-Strategie geht.
Mit der spezialisierten Plattform FreeBetRange, die es dir ermöglicht, verschiedene Preflop-Strategien zu studieren, eigene Ranges zu erstellen und dein Wissen im Trainer zu festigen, vergleichen wir, wie stark sich reales Spiel (MDA) vom theoretisch optimalen Modell (GTO) unterscheidet.
Auswahl einer Preflop-Aktion für die Analyse
Die häufigste Aktion unter Profis am Tisch ist der Open Raise. Zu Beginn deiner Pokerlaufbahn solltest du Open-Raise-Ranges im Trainer üben oder anhand von Ranges lernen.
Gleichzeitig ist es ebenso wichtig zu verstehen, mit welchen Starting-Ranges deine Gegner spielen. Der Großteil der Postflop-Analyse und Kombinatorik basiert auf diesen Ranges.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns für die Analyse speziell auf Open-Raise-Ranges.
Analysekriterien und Einstellung der Parameter in FreeBetRange
Dieser Artikel untersucht Hand-Ranges realer Pokerspieler sowie GTO-Ranges für No-Limit Hold’em. Gespielt wird an Tischen mit drei bis sechs Spielern. Der Rake ist standardmäßig – vergleichbar mit PokerStars, 888poker und ähnlichen Anbietern. Es wird ohne Ante gespielt.
So findest du die benötigten Parameter und Ranges auf der FreeBetRange-Website:

- Wähle oben im Menü MDA oder GTO aus.
- Lege die Parameter fest (Anbieter, Spieltyp, Tische, Limits) und deaktiviere Ante.
- Wähle die gewünschte Aktion.
- Analysiere die Range, die rechts angezeigt wird.
FreeBetRange ermöglicht es dir, MDA-Daten in drei Gruppen zu unterteilen: Regulars, Fische mit VPIP 35–50 und Fische mit VPIP 50+. Achte unbedingt auf diese Unterscheidung.
* VPIP ist eine Statistik, die zeigt, wie oft ein Spieler freiwillig Geld preflop in den Pot investiert, ausgedrückt in Prozent. Die mathematische Formel für VPIP lautet:
Number of situations where a player raised or called preflop / Number of situations where a player could have raised or called preflop * 100

Wir vergleichen jeden Spielertyp separat mit GTO.
Für die Analyse werden GTO-Daten mit ähnlichen Parametern wie MDA verwendet, basierend auf gemeinsamen Eigenschaften:

Vergleich der Open-Raise-Ranges von Regulars mit GTO-Ranges





Die Screenshots zeigen, dass Regulars nur minimal von GTO abweichen. Der Unterschied überschreitet positionsübergreifend nicht 3 %. Aus früheren Positionen spielen Regulars selten suited Ax-, Kx-, Qx-, Jx- und Tx-Hände. Stattdessen bevorzugen sie Connectors, Gapper und kleine Pocket Pairs. Das Spiel aus dem Small Blind ist nahezu identisch mit GTO.
Diese Abweichungen sind nicht kritisch. Meistens bevorzugen Spieler Connectors oder kleine Pocket Pairs gegenüber Ax-, Kx-, Qx-, Jx- und Tx-Händen. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik: Wenn du mit GTO-Ranges spielst und auf einem drawlastigen Board Top Pair triffst, solltest du vorsichtig sein – deine Gegner haben oft starke Equity. Preflop reicht es jedoch in der Regel aus, sich an ausgewogene GTO-Entscheidungen zu halten.
Ranges von Fischen (VPIP 35–50) vs. GTO-Ranges





Der Unterschied in den Open-Frequenzen zwischen Fischen mit VPIP 35–50 und GTO ist besonders in späten Positionen deutlich, wo ihre Open-Raise-Frequenz um fast 10 % sinkt. Ihre Handauswahl ist stark verzerrt – sie versuchen, nahezu alle Handtypen zu spielen, von Gappern und Connectors bis hin zu suited und offsuit Broadway-Händen (Karten wie A, K, Q, J, T).
Gegen solche Spieler kannst du von GTO-Preflop-Ranges abweichen und looser spielen. Sie sind konstant unausgewogen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Postflop-Tendenzen jedes Spielers zu berücksichtigen und deine Strategie in jeder Situation entsprechend anzupassen.
Open-Raise-Ranges von Fischen (VPIP 50+) vs. GTO





Bei Fischen mit einem VPIP über 50 % unterscheiden sich die Open-Raise-Ranges noch stärker von GTO, insbesondere in späten Positionen, wo die Frequenzen deutlich sinken. Ihre Handauswahl wirkt eher wie Improvisation als wie strukturiertes Spiel – praktisch jede zufällige Kartenkombination kann dabei sein.
Gegen solche Spieler ist es nicht optimal, strikt nach GTO-Ranges zu spielen. Wie bei Fischen mit VPIP 35–50 kannst (und solltest) du deine eigenen Ranges erweitern. Postflop werden diese Gegner oft mit sehr schwachen Händen weiterspielen, was dir hervorragende Möglichkeiten gibt, deine Equity zu realisieren.
Fazit
Diese Analyse zeigt deutlich, wie stark sich das Verhalten realer Spieler vom theoretisch optimalen GTO-Modell unterscheiden kann. Während GTO der mathematische „Goldstandard“ der Preflop-Strategie bleibt, sehen wir in der Praxis ein breites Spektrum an Abweichungen – von kleinen Unterschieden bei Regulars bis hin zu grundlegenden Leaks bei Freizeitspielern.
Die wichtigste Erkenntnis ist einfach: GTO-Wissen gibt dir eine Orientierung, während das Verständnis von MDA-Abweichungen deinen Profit bestimmt. Gegen Regulars brauchst du eine präzise Strategie mit minimaler Exploitation. Gegen Fische mit VPIP 35–50 solltest du aggressiv spielen und deine Ranges entsprechend anpassen. Gegen Fische mit VPIP 50+ kannst du oft auf starke Hände warten und profitieren, wenn sie schwache Paare oder jedes Ass unabhängig vom Kicker überbewerten.
Tools wie FreeBetRange helfen dir nicht nur, diese Unterschiede zu erkennen, sondern ermöglichen es dir auch, deine Strategie gezielt auf reale Playerpools auszurichten und zu trainieren. Denk daran: GTO ist dein Kompass, und MDA ist die Landkarte. Ohne das eine verlierst du dich in der Theorie – ohne das andere verlierst du in der Praxis.
Meistern Sie die GTO-Preflop-Strategie, erstellen Sie eigene Ranges und trainieren Sie smarter — alles in einem Tool.
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