Du hast wahrscheinlich schon einmal das Wort „Kombinatorik“ gehört, aber nie wirklich verstanden, was genau dahintersteckt. Es ist eines dieser grundlegenden Konzepte, die zunächst einschüchternd wirken – in Wirklichkeit aber sehr einfach sind. Keine komplizierten Formeln. Du musst dir nur drei Zahlen merken und verstehen, wie du sie anwendest. Nach diesem Artikel wirst du gegnerische Ranges anders betrachten: nicht mehr „vielleicht hat er AA, vielleicht auch nicht“, sondern „wie oft kommt AA in seiner Range im Vergleich zu anderen Händen vor?“ Genau so denkt man im Poker.

Fangen wir mit einer einfachen Frage an

Stell dir vor, du schaust deinen Gegner an und denkst: „Kann er AA haben?“

Die Antwort „ja, könnte er“ ist zu vage. Viel hilfreicher ist es zu bewerten, wie wahrscheinlich AA ist – und wie oft AA im Vergleich zu anderen Händen vorkommt.

Genau dafür ist Kombinatorik da. Keine Sorge – keine komplizierte Mathematik. Du musst dir nur drei Zahlen merken.

Zuerst: Was ist eine „Handkombination“?

Im Poker bekommst du zwei Hole Cards. „AA“ ist keine einzelne konkrete Hand – es sind beliebige zwei Asse aus den vier im Deck.

Es gibt vier Farben: ♠ (Pik), ♥ (Herz), ♦ (Karo), ♣ (Kreuz).

„AA bekommen“ bedeutet also, zwei dieser vier Asse zu erhalten. Und davon gibt es genau 6 Kombinationen:

  1. A♠ + A♥
  2. A♠ + A♦
  3. A♠ + A♣
  4. A♥ + A♦
  5. A♥ + A♣
  6. A♦ + A♣

Diese sechs Möglichkeiten nennt man die 6 Kombinationen von AA.

Das gilt für jedes Paar – KK hat 6, QQ hat 6, 22 hat 6. Jede Kartenhöhe hat genau 4 Farben, und aus 4 Karten lassen sich immer 6 Zweierkombinationen bilden.

Leicht zu merken: Ein Paar = 6 Kombinationen.

Jetzt schauen wir uns suited Hände an

Nehmen wir AKs – ein Ass und ein König in derselben Farbe.

Gleiche Farbe bedeutet: beide Karten sind Pik oder beide Herz usw. Wie viele Kombinationen gibt es?

  1. A♠ + K♠
  2. A♥ + K♥
  3. A♦ + K♦
  4. A♣ + K♣

Genau 4 Kombinationen – eine pro Farbe.

Das gilt für jede suited Hand: 76s, QJs, T9s – jede hat genau 4 Kombinationen.

Und schließlich: offsuit Hände

Jetzt AKo – ein Ass und ein König in unterschiedlichen Farben.

Hier gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, weil die Farben variieren können:

  • A♠ + K♥, A♠ + K♦, A♠ + K♣ (3 Kombinationen mit dem Pik-Ass)
  • A♥ + K♠, A♥ + K♦, A♥ + K♣ (3 Kombinationen mit dem Herz-Ass)
  • A♦ + K♠, A♦ + K♥, A♦ + K♣ (3 Kombinationen mit dem Karo-Ass)
  • A♣ + K♠, A♣ + K♥, A♣ + K♦ (3 Kombinationen mit dem Kreuz-Ass)

Insgesamt: 4 × 3 = 12 Kombinationen.

Eine offsuit Hand kommt dreimal so häufig vor wie dieselbe suited Hand!

Die drei Zahlen, die du kennen musst

HandtypBeispielAnzahl der Kombinationen
PaarAA, KK, 226
SuitedAKs, QTs4
OffsuitAKo, QTo12

Das war’s schon! Alles andere ist nur die Anwendung dieser drei Zahlen.

Warum das wichtig ist — ein einfaches Beispiel

Stell dir vor, du überlegst: Kann dein Gegner AA oder AK haben, wenn er groß setzt?

Zählen wir:

  • AA: 6 Kombinationen
  • AKs: 4 Kombinationen
  • AKo: 12 Kombinationen

AK insgesamt (alle Varianten): 16 Kombinationen.

AK kommt also fast dreimal so häufig vor wie AA! Das hilft dir schon, die Range deines Gegners deutlich präziser einzuschätzen.

Blocker: Deine Karten beeinflussen die Range deines Gegners

Hier wird es interessant. Angenommen, du hältst ein Ass. Das bedeutet, dein Gegner kann nicht alle 6 Kombinationen von AA haben – du hältst ja selbst ein Ass! Es bleiben ihm nur noch 3 Kombinationen von AA (aus den verbleibenden drei Assen im Deck).

Das nennt man einen Blocker. Deine Karten „blockieren“ bestimmte mögliche Hände deines Gegners.

Du hast ein Ass? Dann hat dein Gegner nur noch halb so viele AA-Kombinationen. Du hast das Pik-Ass? Dann kann dein Gegner keine suited Hände mit dem Pik-Ass haben.

Das klingt vielleicht nach einem kleinen Detail, aber Profis nutzen Blocker ständig bei Entscheidungen – besonders wenn es darum geht, ob sie bluffen sollen.

Wie viele Startkombinationen gibt es insgesamt im Poker?

Es gibt 52 Karten im Deck, und du wählst 2 davon. Die Gesamtzahl möglicher Kombinationen beträgt 1326.

Warum ist das wichtig? Wenn wir sagen „der Gegner eröffnet 10% seiner Hände“, dann sind das etwa 133 Kombinationen von 1326. Wenn du weißt, wie viele Kombinationen jede einzelne Hand hat, verstehst du viel besser, woraus diese 10% tatsächlich bestehen.

Wie du das am Tisch nutzt

Du musst nicht während der Hand alles exakt im Kopf berechnen. Gewöhne dir zuerst an, in Kategorien zu denken: „Wie viele Kombinationen kann mein Gegner überhaupt haben?“

Drei einfache Fragen helfen dir dabei:

  1. Ist es ein Paar, suited oder offsuit? → Sofort: 6, 4 oder 12.
  2. Habe ich einen Blocker? → Wenn ja, entsprechend reduzieren.
  3. Wie viele Value-Hände vs. wie viele Bluffs hat die gegnerische Range? → Die Kombinatorik liefert eine klare Antwort.

FreeBetRange zählt für dich

Wenn du mit FreeBetRange Ranges analysierst, siehst du die Anzahl der Kombinationen automatisch. Jede ausgewählte Range zeigt dir sofort:

  • Die exakte Anzahl der Kombinationen
  • Den prozentualen Anteil an allen 1326 möglichen Händen
  • Eine visuelle Verteilung in der Matrix

Das ist eine großartige Lernmethode: Öffne eine Range, schau dir zum Beispiel eine BTN-Opening-Range an und sieh sofort – hier sind 250 Kombinationen, also 18,9% aller Hände. So bekommst du schnell ein Gefühl dafür, wie loose oder tight eine Position gespielt wird.

Fazit

Kombinatorik bedeutet einfach, zu zählen, wie viele reale Kombinationen hinter jeder „Hand“ in einer Range stehen.

  • Paare: immer 6 Kombinationen
  • Suited: immer 4 Kombinationen
  • Offsuit: immer 12 Kombinationen
  • Gesamtzahl der Startkombinationen: 1326

Mit diesem Wissen hörst du auf zu denken „vielleicht hat er AA, vielleicht auch nicht“ und beginnst zu denken „wie wahrscheinlich ist AA im Vergleich zu anderen Händen in seiner Range?“ – und genau das ist echtes Pokerdenken.

Konstantin Abbakumov
Konstantin Abbakumov

Spezialist für Poker-Analytik und Preflop-Strategie

Konstantin Abbakumov ist professioneller Pokerspieler und Spezialist für Poker-Analytik mit 6 Jahren Erfahrung in No-Limit Hold’em Cash Games. In seinen Artikeln für FreeBetRange hilft er Spielern, Preflop-Ranges zu verstehen, mit Pokersoftware zu arbeiten, die Logik hinter Entscheidungen nachzuvollziehen und einen strukturierteren Lernplan aufzubauen.